Update Glutenunverträglichkeiten

Aktuelle Leitlinien und Erkenntnisse zur Zöliakie und Gluten-/Weizensensitivität

Schär Interview Zopf v2 from Deutscher Ärzte-Verlag on Vimeo.

Video: Prof. Dr. med. Yurdagül Zopf, Universitätsklinikum Erlangen

Neben der Zöliakie, bei der nach wie vor von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgegangen wird, gelangt zunehmend das neue Krankheitsbild der Gluten- bzw. Weizensensitivität in die Diskussion der Wissenschaftler. Die aktuelle s2k-Leitlinie beinhaltet dazu viele Änderungen und Neuerungen.

Auf dem DGIM-Kongress in Mannheim sprachen die Professoren Dr. med. Wolfgang Holtmeier vom Krankenhaus Porz am Rhein, Dr. Dr. Detlef Schuppan von der Universitätsmedizin Mainz sowie Dr. med. Yurdagül Zopf vom Universitätsklinikum Erlangen auf einem Symposium zum Thema „Update Glutenunverträglichkeiten – Aktuelles zu Leitlinien, Pathogenese und Fallbeispiele“. Diskutiert wurden die Fragen, inwiefern Weizen- und Glutensensitivität neue Herausforderungen für den Internisten darstellen und welche Klinik und Pathogenese dabei vorliegt.

Neu in der Leitlinie: Gluten- bzw. Weizensensitivität

„Die aktuellen Empfehlungen im Bereich Gluten haben sich revolutioniert“, so Ernährungsmedizinerin Prof. Dr. med. Yurdagül Zopf. Bisher sei viel über Zöliakie gesprochen worden und die Formen der Zöliakie konnten nun besser zusammengefasst und benannt werden. „Das elementar Neue der aktuellen Leitlinie ist die Aufnahme der Gluten- bzw. Weizensensitivität“, unterstreicht Zopf in einem Interview im Nachgang des Symposiums.

Es sei das erste Mal, das Wissenschaftler in einer Leitlinie das neue Erscheinungsbild der Glutensensitivität aufführen, genauer gesagt die Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität bzw. im Englischen die Non-Celiac Gluten Sensitivity. Dieses Erscheinungsbild betrifft Patienten, die Gluten bzw. Weizen  nicht vertragen, bei denen aber keine Zöliakie oder Weizenallergie diagnostiziert werden kann. Wer also nach Ausschluss einer Zöliakie und Weizenallergie  positiv auf eine glutenfreie Ernährung reagiert, der ist von einer Weizensensitivität betroffen.

Prävalenz und Unterschiede zur Zöliakie

Die Komplexität und die unspezifischen Symptome, die sich sowohl intestinal als auch extraintestinal äußern, machen eine konkrete Schätzung zur Weizensensitivität schwierig. Als sicher wird angenommen, dass wesentlich mehr Patienten betroffen sind als von einer Zöliakie, deren Prävalenz in Deutschland bei 0,3 Prozent liegt. Schätzungen gehen bei der Weizensensitivität von deutlich über einem Prozent aus.

Schwierig ist eine Diagnose der Weizensensitivität. Während bei einer Zöliakie klare Veränderungen in Serologie und Histologie vorliegen, kann eine Gluten- bzw. Weizensensitivität nur per Ausschluss diagnostiziert werden. Spezifische Biomarker sind noch nicht bekannt, werden aber bereits erforscht. Beide Krankheitsfelder haben jedoch gemein, dass eine Ernährungstherapie mit dem Verzicht auf Gluten die Symptome bessert. Bei einer Weizensensitivität verspürt der Patient sogar schon nach ein bis zwei Wochen eine Besserung und verträgt je nach Ausprägung eine gewisse Menge an Gluten. Ein Zöliakiebetroffener muss sich dagegen ein Leben lang strikt glutenfrei ernähren.

Herausforderungen für Mediziner

Internisten, Allgemeinmediziner und Gastroenterologen sehen sich einer Vielzahl an Diätformen gegenüber. Die wohl größte Herausforderung ist, alle relevanten Leitlinien zu kennen und in der Praxis zu befolgen. Wichtig sei nach Ansicht von Zopf, dass Ärzte zuerst an eine Zöliakie denken und sie ausschließen – ebenso Allergien und andere organische Erkrankungen. Danach kann und sollte eine glutenfreie Kost über einen kurzen Zeitraum ausprobiert werden. Vor allem bei Patienten mit Reizdarmsyndrom kann ein solches Vorgehen sinnvoll sein, da es zwischen den beiden Erkrankungen durchaus Korrelationen gibt.

Erforscht wird derzeit vor allem die Weizensensitivität – welche Entzündungsparameter gibt es, welche Bedeutung hat das Mikrobiom welche Biomarker gibt es? „Ich bin überzeugt, dass in den nächsten Jahren noch viel passieren wird“, so Zopf abschließend.

So widmeten sich beispielsweise beim „Third International Expert Meeting on Non Celiac Gluten Sensitivity“ im Oktober 2014 internationale Mediziner und Wissenschaftler vorrangig der Diagnose dieses Erscheinungsbildes. Im Rahmen der Expertentagung wurde unter Federführung von Prof. Carlo Catassi und Prof. Alessio Fasano ein Diagnoseleitfaden erarbeitet. Ein Paper mit detaillierten Erläuterungen und praktischen Informationen zu deren Durchführung wird in Kürze veröffentlicht.

Weitere Videos mit Expertenstatements zum Thema Glutenunverträglichkeiten und den aktuellen Ergebnissen des „Third International Expert Meeting on Non Celiac Gluten Sensitivity“ gibt es unter www.drschaer-institute.com.

Mit freundlicher Unterstützung von Dr. Schär AG