Personalsituation auf deutschen Intensivtationen

Aktuelle Bedarfsplanung unabdingbar

Aktuelle Bedarfsplanung unabdingbar
DGIM-Pressekonferenz in Berlin © Schunk

Der Trend ist gegenläufig: Während Klinikbetten auf Normalstationen seit 2003 um acht Prozent gesunken sind, steigt die Zahl der Intensivbetten an. Die Folge: Der Arbeitsdruck auf das Personal und der Kostendruck auf die Träger wachsen.

„Gerade im Personalbereich haben wir eine schwierige Situation: Wir sind gefordert, eine angepasste  Personalbedarfsplanung zu machen“, sagt Dr. Matthias Kochanek, Oberarzt und

Hauptverantwortlicher für die internistische Intensivstation der Klinik I für Innere Medizin an der Uniklinik Köln. Diese sollte den gewachsenen Anforderungen auf den Intensivstationen entsprechen. Kochanek: „Reduziertes Fachpersonal ist ein generelles Konfliktthema auf der Intensivstation.“ Es konkurriere zudem fortwährend mit dem Einsatz immer modernerer hochtechnisierter und teurer Verfahren.

Immer strengere Hygienevorschriften

Insbesondere auch die immer strengeren Hygienevorschriften machten eine entsprechende personelle Aufstockung unumgänglich. „Sowohl fachlich als auch strukturell fordern Intensivstationen in hohem Maße alle Beteiligten, die auf der Station arbeiten oder diese organisieren“, fügte Kochanek auf einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin an.

Dass immer mehr und gerade ältere, multimorbide Patienten aufwendige Behandlungen benötigen, werfe auch die Frage danach auf, was und wie viel bei welchem Patienten getan wird. „Ärzte können diese Diskussion nicht allein führen, da müssen auch Gesellschaft und Politik Stellung beziehen“, ergänzt Prof. Dr. Michael Hallek, Vorsitzender der DGIM und Direktor der Klinik I für Innere Medizin der Universität zu Köln. Fakt sei, dass die Krankenkassen ihre Kostenerstattung zurückfahren, obwohl die Kosten der Behandlungen steigen.

Rund-um-die-Uhr-Präsenz "unabdingbar"

Auf deutschen Intensivstationen behandelten Ärzte im Jahr 2013 etwa 2,1 Millionen Menschen, vermeldet das Statistische Bundesamt. Vorausgesetzt werde dabei die ständige Anwesenheit von Ärzten. Kochanek: „In kleineren Kliniken ist das kaum möglich. Hier müssen die Kollegen teilweise ganze Stationen mit versorgen.“ In Unikliniken sei eine Rund-um-die-Uhr-Präsenz von Ärzten auf den Intensivstationen „unabdingbar“.

Ziel des 121. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin ist es, neben inhaltlichen intensivmedizinischen Themen auch ein Gehör für die notwendige fachliche Ausbildung und Kompetenz der verantwortlichen Ärzte zu schaffen. Die Intensivmedizin beziehungsweise die Intensivstation ist nicht nur mehr ein Anhängsel von zum Beispiel kardiologischen oder gastroenterologischen Abteilungen für „kranke Patienten“, sondern hat sich zu einer eigenständigen Fachdisziplin mit einer spezialisierten Forschung innerhalb der Inneren Medizin entwickelt. Das zeigt sich auch an der Anzahl der Publikationen, die sich in den vergangenen zehn Jahren zum Thema Intensivmedizin verdoppelt hat.

Nicht zuletzt spielt aber auch die finanzielle Situation eine Rolle. Im Rahmen der DRG-Abrechnung werden die meisten Casemixpunkte innerhalb der Intensivmedizin ermittelt. Die enormen Kosten der Behandlung auf einer Intensivstation führen zu einer zunehmenden Belastung des Gesundheitssystems. Daher gilt der internistischen Intensivmedizin nicht nur jetzt, sondern auch in der Zukunft ein besonderes Augenmerk.