Expertensymposium 2019: „Ich bin geimpft. Und Sie? Lassen Sie uns reden!“

©Frank Eidel PhotographyIn diesem Jahr fand zum fünften Mal in Folge das erfolgreiche Expertensymposium des Deutschen Ärzteverlags zum Thema „Impfen“ auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden statt. Der Titel 2019 „Ich bin geimpft. Und Sie? Lassen Sie uns reden!“ bezieht sich auf die großangelegte Impfkampagne des Deutschen Ärzteverlags, in der unter anderem ein Aufkleber (Button, s. Foto) mit eben dieser Aufschrift Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung gestellt wird. Die Idee dazu entstand beim Expertensymposium 2018 – und zwar direkt auf dem Podium.

In den mittlerweile vier Jahren dieser Veranstaltungsreihe wurden Barrieren und Probleme mangelnder Impfbereitschaft analysiert. Eines der größten Hindernisse für gute Impfquoten scheint der hektische Alltag zu sein. Patienten sprechen den Hausarzt selten aktiv auf Impfungen an. Gleichzeitig kann es dem Arzt passieren, dass er bei der Fokussierung auf die Untersuchung und Behandlung des Patienten nicht daran denkt, den Impfstatus abzufragen.

Die Podiumsteilnehmer sprachen über Methoden zur Verbesserung der Impfraten und zeigten Wege zur besseren Kommunikation zwischen Arzt und Patienten auf. Die spannende Diskussion zum Thema Impfen und Patientenkommunikation können Sie sich hier noch einmal in voller Länge in unserem kompletten Webcast der Veranstaltung anschauen.


Webcast: Das gesamte Expertensymposium jetzt anschauen

 


Impressionen des Expertensymposiums

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Das Thema "Impfen" sowie die Teilnehmer auf dem Podium lockten wie in den vergangenen Jahren wieder viele Besucher an.

 

Dr. Vera Zylka-Menhorn, Ressortleiterin Medizinreport beim Deutschen Ärzteblatt, moderierte die Veranstaltung.

 

Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, Berlin

 

Prof. Dr. Cornelia Betsch, Heisenberg-Professur für Gesundheitskommunikation, Universität Erfurt

 

Dr. Eckart von Hirschhausen, Arzt, Journalist, Kabarettist

 

Dr. Heidrun M. Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

 

Dr. Sebastian Schmidt-Kaehler, geschäftsführender Gesellschafter der Patientenprojekte GmbH

 

Dr. Uwe Popert, Facharzt für Allgemeinmedizin, Kassel; Lehrbeauftragter für Allgemeinmedizin; Universität Göttingen; Arbeitskreis Leitlinien der DEGAM

 

Sina Heimüller, Medizinstudentin und Mitglied der Univertretung des Hartmannbundes

 

Auch die Zuschauer des Expertensymposiums kamen in Wiesbaden zu Wort.

 


Jetzt herunterladen: "Ich bin geimpft."-Button und Kampagnenposter

Im mittlerweile fünften Jahr wies der Deutsche Ärzteverlag gemeinsam mit seinen Partnern und dem Expertensymposium auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin auf die Wichtigkeit des Impfens hin. Hier können Sie sich den Button mit der klaren Aussage "Ich bin geimpft." sowie das praktische Praxisposter und das Kampagnenpostermotiv mit Dr. Eckart von Hirschhausen herunterladen:

>> zum Download "Ich bin geimpft."-Button

>> zum Download Postermotiv "Ich bin geimpft."

>> zum Download Praxisposter "Ich bin geimpft."


Jetzt bestellen: Praxisposter inklusive Aufkleber

Das Praxisposter der Impfkampagne des Deutschen Ärzteverlags inklusive des Aufklebermotivs „Ich bin geimpft. Und Sie? Lassen Sie uns reden!“ (sechs Stück) können Sie kostenfrei unter kampagneimpfen(at)aerzteverlag.de anfordern.


Experten vor der Kamera

„Ärzte sind die wichtigste Informationsquelle“

Die Initiatoren der Impfkampagne, Prof. Dr. Cornelia Betsch, Dr. Vera Zylka-Menhorn und Dr. Eckart von Hirschhausen sprechen über Idee und die Entwicklung ihres Projekts. Es geht um die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten und die Möglichkeiten, wie die Impfrate der deutschen Bevölkerung gesteigert werden kann.

 

„Die Patientenperspektive in den Fokus rücken“

Dr. Sebastian Schmidt-Kaehler, Geschäftsführer der Gesellschaft der Patientenprojekte GmbH, spricht im Interview über die drei Hauptprobleme der ungenügenden Impfdurchdringung und wie man diesen durch gezielte Kommunikation entgegenwirken kann.

 

„Schutz der Allgemeinheit ist vielen nicht bewusst“

Sina Heimüller, Medizinstudentin und Mitglied der Univertretung des Hartmannbundes, hat in Homburg die studentische Initiative „Impf Dich“ gegründet. Medizinstudierende gehen in Schulen und beraten die Schüler zum Thema Impfen und unterstützen sie bei ihrer persönlichen Impfentscheidung.

 

„Jeden Kontakt nutzen“

Dr. Heidrun M. Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, will die Seite www.impfen-info.de bekannter machen. Zur Zielgruppe gehören sowohl die Allgemeinbevölkerung als auch wichtige Multiplikatoren. Die Ärzte wolle man motivieren, jeden Patientenkontakt zu nutzen, um auch Impfungen hinzuweisen.

 

„Ideologiefrei mit dem Patienten kommunizieren“

Dr. Uwe Popert, Facharzt und Lehrbeauftragter für Allgemeinmedizin, Universität Göttingen, spricht im Interview über seine Philosophie beim Patientengespräch zum Impfen. Vertrauen und Ehrlichkeit sind dabei für ihn die wichtigsten Eckpfeiler dieser Kommunikation.

 


Zum Impfen motivieren durch gute Kommunikation

Das fünfte Expertensymposium zum Thema Impfen, das der Deutsche Ärzteverlag auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) veranstaltet hat, hat sich mit dem wichtigen Thema Kommunikation beschäftigt. Ärzte sind der Schlüssel für eine positive Impfentscheidung der Patienten.

Die Erstimpfungsrate gegen Masern lag 2017 mit 97% so hoch wie nie zuvor, berichtete Prof. Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Trotzdem war 2018 eine Rekordzahl an Neuinfektionen zu verzeichnen. Impflücken auf lokaler Ebene verhelfen dem Masernvirus offenbar immer wieder zu Durchbrüchen. Bei allen anderen Impfungen, die im Säuglingsalter empfohlen werden, gehen die Durchimpfungsraten zurück.

Laut Befragungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) steht die Mehrheit der Bevölkerung dem Impfen positiv gegenüber. Etwa 20-30% der Menschen sind unsicher. Impfgegner stellen nur eine – allerdings laute – Minderheit dar. „Dazu, die Unentschlossenen zu motivieren, kann jeder Arzt beitragen“, betonte Dr. Heidrun Thaiss, Direktorin der BzgA.

Ärzte genießen viel Vertrauen

Wir leben in einer Zeit, in der Menschen extrem misstrauisch gegenüber Institutionen, Politik und Wissenschaft sind. Doch Ärzte genießen immer noch viel Vertrauen bei den Menschen. Dieses Potenzial sollte man nutzen, um die Patienten zum Impfen zu bewegen, sagte Dr. Eckart von Hirschhausen.

Vielen Menschen überhaupt nicht klar ist der Aspekt des Gemeinschaftsschutzes beim Impfen, so von Hirschhausen. Die meisten denken, es gehe nur darum, sich selbst oder ihr Kind zu schützen und sie würden nur für sich selbst entscheiden, ob sie das Risiko einer Infektion tragen wollen oder nicht. Dass sie aber mit einer Entscheidung gegen eine Impfung auch Verantwortung für andere übernehmen, muss man den meisten erst klar machen.

Diese Erfahrung hat auch Sina Heimüller, Homburg, gemacht, die sich als Medizinstudentin für den eingetragenen Verein „Impf-dich“ engagiert. Der Verein veranstaltet interaktive Vorträge an Schulen, bei denen Aufklärung zum Thema Impfen vor Schülern von der 9. bis 13. Klasse betrieben wird. Heimüller beobachtet auch, dass die Schüler gar nicht mehr wissen, wie schlimm diese Erkrankungen sind, gegen die geimpft werden soll – wie dies auch in Gesamtbevölkerung der Fall ist.

Von Hirschhausen sieht in der Studenten-Initiative den großen Vorteil, dass die Schüler den Studierenden die Botschaften bereitwilliger abnehmen als Lehrern. Und seiner Einschätzung nach gewinnen die angehenden Ärzte durch eine solche Tätigkeit einen Vorsprung an Kommunikationskompetenz für ihre spätere Tätigkeit. Wie Dr. Frank Vitinius, Köln, der im Publikum an der Veranstaltung teilnahm, ausführte, ist kommunikative Kompetenz keine Frage des Talents, sondern durch Übung erlernbar. Kommunikationstraining sollte nach Ansicht von Heimüller ein fester Bestandteil des Medizinstudiums werden.

Kommunikationsstrategien

Für das Impfberatungsgespräch insbesondere mit unsicheren Patienten hält der Allgemeinarzt Dr. Uwe Popert, Kassel, selbst erstellte Impfinformationsbögen bereit, die er fortlaufend aktualisiert. Dabei geht es nicht pauschal um „das Impfen“, sondern fokussiert um bestimmte Impfungen. Da könne man leichter auf der sachlichen Ebene bleiben, während Gespräche über das Impfen per se immer Gefahr laufen, dass sie ins Weltanschauliche abgleiten und auch den Praxisalltag sprengen.

Prof. Dr. Cornelia Betsch, Diplompsychologin an der Universität Erfurt, hat in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Ärzteverlag ein Praxisposter mit entwickelt, das dem Arzt erleichtern soll, mit den Menschen über das Impfen ins Gespräch zu kommen. Und ein Poster an der Wand gibt auch manchem Patienten den Anstoß, nach Impfungen zu fragen.

Auf der Rückseite findet der Arzt Tipps zur Kommunikation, darunter folgende: Mit der Aussage „Heute ist Ihre Impfung fällig“ vermittelt man dem Patienten glaubwürdiger die Botschaft, dass Impfen Standard ist. Sehr vage bleibt dies, wenn man fragt, ob der Patient eine Impfung möchte. Dann klärt man über die Risiken der Erkrankung auf und präsentiert Impfen als effektive Gegenmaßnahme. Wenn der Patient Bedenken äußert, sollte man nur auf diese kurz eingehen.

Dr. Sebastian Schmidt-Kaehler, Patientenprojekte GmbH, warnte davor, Impfgegner abzuwerten und nicht ausreichend ernst zu nehmen. Denn Menschen neigen manchmal dazu, ihren persönlichen Gefühlen und Überzeugungen mehr zu folgen als der Evidenz, die ihnen von Experten mitgeteilt wird.

Dr. med. Angelika Bischoff


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