Die wichtigsten Drug/Drug Interaktionen für den Internisten und wie vermeiden?

Wenn immer mehrere Arzneistoffe gleichzeitig eingesetzt werden, entstehen im Körper Kombinationen, deren Effekt manchmal viel mehr, manchmal auch weniger als die Summe der Einzeleffekte betragen kann (Wechselwirkung). Mit der Zahl eingenommener Arzneistoffe nehmen auch die Paare, Dreier- und Viererkombinationen zu, die sich gegenseitig beeinflussen können; bei 5 Medikamenten (Polypharmazie) entstehen 10 Paare im Körper, die abgeklärt werden müssten, bei 10 Arzneimitteln sind es bereits 45 Paare. Solche Wechselwirkungen betreffen sehr oft die Arzneistoff-Konzentrationen (pharmakokinetische Wechselwirkung), wobei gelegentlich die Absorption, öfter jedoch die Verstoffwechselung und Ausscheidung betroffen sind. Dabei haben Halbierung und Verdopplung der Exposition (berichtet als prozentuale Änderung der Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve AUC) oft klinische Konsequenzen und müssen entsprechend in der Dosierung berücksichtigt werden. In der Inneren Medizin wichtige Absorptionswechselwirkungen treten beispielsweise bei Magen-pH-Veränderungen (z.B. durch Antazida, PPI) und Tyrosinkinase-Inhibitoren (z.B. Dasatinib, Erlotinib, Gefitinib) auf, wodurch es zum Wirkungsverlust kommen kann. Im Stoffwechsel treten die häufigsten Wechselwirkungen bei oxidativen Prozessen (Cytochrom P450 (CYP)-System) auf; besonders relevant sind dabei CYP3A4, CYP2D6, CYP1A2 oder auch CYP2C9, während Wechselwirkungen in Konjugationsreaktionen (z.B. Glukuronidierung) viel seltener klinische Relevanz erreichen. Schließlich kann auch eine Hemmung von Transportprozessen risikoreich verlaufen; dazu gehört beispielsweise die Hemmung der aktiven Aufnahme in die Leber (z.B. OATP1B-Hemmung), wodurch Statine kaum mehr in die Leber gelangen und Rhabdomyolysen begünstigt werden. Außerdem kann die aktive Ausscheidung beispielsweise durch P-Glykoprotein (Effluxtransporter) gehemmt sein (z.B. durch Dronedaron oder viele Azole), wodurch dessen Substrate wie z.B. Dabigatran besser resorbiert oder schlechter ausgeschieden (z.B. Faktor Xa-Antagonisten) werden. Grundsätzlich sollte das Auftreten von Hypoglykämien, Blutungen, Torsades-de-Pointes, akuter Niereninsuffizienz oder auch Rhabdomyolysen dazu führen, kritische Eliminationsstörungen infolge von Wechselwirkungen zu suchen und die Dosen entweder anzupassen oder auf nicht interagierende Arzneistoffe zu wechseln. Zu diesem Thema sprach Prof. Dr. Walter E. Haefeli, Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie.

 

 

 

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