Symposium von Merz Pharmaceuticals zu NASH-Zirrhose und hepatischer Enzephalopathie

Bis zu 26 Prozent der NASH-Patienten entwickeln eine Zirrhose mit erhöhtem Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom, Aszites und eine HE, berichtete Prof. Dr. Elke Roeb, Gießen.

Weil in vielen Fällen eine HE allerdings zu spät erkannt wird und bereits eine minimale HE die Lebensqualität des Patienten reduziert sowie das Risiko von Verkehrsunfällen erhöht, sollte sich die Aufmerksamkeit für diese schwerwiegende Funktionsstörung des Gehirns in der Versorgung von Patienten mit Leberzirrhose erhöhen, so der Appell von Dr. Peter Buggisch, Hamburg. Den infolge eingeschränkter Leberleistung erhöhten Ammoniakspiegel zu senken sei daher ein wichtiges Therapieziel bei der Behandlung der HE, so der Gastroenterologe. Eine aktuelle Metaanalyse1 bestätigt hierbei erneut die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit von L-Ornithin-L-Aspartat (Hepa-Merz®) bei oraler (bis zu 3 × 6 g/d) und intravenöser (bis zu 20 g/d) Gabe.

NASH – eine neue Epidemie

In Deutschland leiden etwa 3,5 bis 5 Millionen Menschen an einer chronischen Lebererkrankung, von denen ca. 1 Million eine Zirrhose haben. Bei bis zu 84 Prozent dieser Patienten tritt in unterschiedlicher Ausprägung eine HE auf, erläuterte Buggisch. Umgerechnet auf die Anzahl der Hausarztpraxen in Deutschland bedeutet dies, dass auf eine Praxis im Durchschnitt zehn Patienten mit einer manifesten oder latenten HE entfallen.

Schätzungen zufolge wird die Zahl der HE-Patienten in den nächsten Jahren weiter ansteigen, und zwar infolge einer zunehmenden Zahl von Menschen mit Übergewicht, metabolischem Syndrom und Diabetes mellitus, auf deren Boden sich eine NASH-induzierte Leberzirrhose entwickeln und in eine HE münden kann. Bereits heute zählt die NASH zu den am häufigsten diagnostizierten hepatischen Erkrankungen mit steigender Inzidenz sowie erhöhtem Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko, erläuterte Roeb.

Therapeutisch stehen die Umstellung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten mit dem Ziel der Gewichtsreduktion sowie eine optimale Therapie der Begleiterkrankungen im Vordergrund. Eine NASH-Therapie zielt daher in der Regel auf eine Verbesserung des Lipidprofils und Insulinresistenz. Mögliche medikamentöse Ansätze, für die ein gewisser Nutzen gezeigt werden konnte, sind laut der Expertin Metformin, Sartane, Statine sowie Omega-3-Fettsäuren und Vitamin E. Weiterhin sollte eine regelmäßige hepatologische Begutachtung und Verlaufskontrolle erfolgen.

Symptomatik beachten

Die HE ist eine schwerwiegende Komplikation jeder chronischen Lebererkrankung. Häufig tritt sie im Rahmen einer Leberzirrhose z. B. aufgrund einer chronischen Virushepatitis oder einer nichtalkoholischen Steatohepatitis (NASH) auf. Da die neuropsychiatrischen Auffälligkeiten im Anfangsstadium der HE meist unbemerkt bleiben, sollte sich die Aufmerksamkeit des Arztes auf die Symptomatik erhöhen, schilderte Buggisch. Auch fremdanamnestische Angaben, zum Beispiel von Angehörigen, könnten der weiteren Klärung dienen.

Durch eine verminderte hepatische Entgiftungsleitung akkumuliert das Neurotoxin Ammoniak gebunden als Glutamin in den Astrozyten, was zu deren osmotischem Anschwellen und zu Störungen in der Neurotransmission führt. Daher ist es vorrangiges Therapieziel, den erhöhten Ammoniakspiegel im Blut zu senken, sagte Buggisch.

Therapeutisch gibt es hierfür verschiedene Wege. Im Gegensatz zu nicht-resorbierbaren Disacchariden wie Laktulose oder Laktitol und darmselektiven Antibiotika, die die intestinale Ammoniakproduktion vermindern, ist die Gabe von L-Ornithin-L-Aspartat (Hepa-Merz) die einzige zugelassene Pharmakotherapie, die die extraintestinale Ammoniakentgiftung in Leber, Muskulatur und Gehirn steigert.
Dabei werden zwei Stoffwechselwege aktiviert: der Harnstoffzyklus in den periportalen und die Glutaminsynthese in den perive‧nösen Hepatozyten sowie in der Muskulatur. Der Stellenwert von L-Ornithin-L-Aspartat als evidenzbasierte Therapieoption bei HE wurde in umfassenden placebokontrollierten Doppelblindstudien belegt.

Mit L-Ornithin-L-Aspartat lässt sich die Hyperammonämie durch Aktivierung der Harnstoff- und Glutaminsynthese effektiv reduzieren. Durch diesen dualen Wirkansatz wird die Ammoniakentgiftung in Leber, Gehirn und Muskulatur angeregt und somit die HE-Graduierung und die kognitive wie psychomotorische Leistungsfähigkeit des Patienten nachweislich verbessert. (Quelle: 1    Bai M et al. J Gastroenterol Hepatol 2013. 28(5):783–792)

Eine klare Absage erteilte Buggisch der Proteinrestriktion. „Wir treiben die Patienten damit in die Katabolie. Das ist für die Gesamtprognose kontraproduktiv.“


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