Fachgesellschaften stellen "Kluge Entscheidungen" vor

Positiv und negativ

Positiv und negativ
Prof. Gerd Hasenfuß im Gespräch mit Prof. Elisabeth Märker-Hermann Schunk

Die Initiative „Klug entscheiden“ entpuppt sich als Erfolgsstory: Immer mehr Fachgesellschaften innerhalb der DGIM legen ihre Empfehlungen vor.

Unter dem Mit-Vorsitz von Prof. Dr. Gerd Hasenfuß stellte Dr. Norma Jung, Internistin an der Universitätsklinik Köln, aktuelle Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) vor. So soll bei Immunsupprimierten sowie bei Patienten mit Leberzirrhose oder Niereninsuffizienz eine sequenzielle Pneumokokkenimpfung erfolgen. Bei einem Nachweis von Candida spp. in der Blutkultur soll eine konsequente Diagnostik und Therapie erfolgen. Und schließlich empfiehlt die DGI bei infektiöser Endokarditis eine ausschließlich intravenöse Antibiotikatherapie.

Aus der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) berichtete Prof. Dr. Jan-Christoph Galle, Lüdenscheid, von der Empfehlung für eine kardiologische Diagnostik bei Patienten mit fortgeschrittener Nierenerkrankung. Dies gelte selbst bei asymptomatischen oder oligosym‧ptomatischen Patienten mit fortgeschrittener CKD. Auch bei ihnen sollte die kardiovaskuläre Diagnostik großzügig durchgeführt werden. Als Negativempfehlung der DGfN gelte, dass nach Verabreichung eines jodhaltigen Kontrastmittels zu Diagnosezwecken nicht standardmäßig eine Hämodialyse durchgeführt werden soll. Denn Studien zeigten, dass eine selbst unmittelbar nach KM-Gabe durchgeführte Dialyse nicht nur keinen positiven Effekt hat, sondern sich vielmehr schädigend auf die Nierenfunktion auswirken kann. Daher ist eine Dialyse zur Elimination des KM als Schutzmaßnahme vor KIN kontraindiziert. Eine Ausnahme stellen bei oligoanurischen Patienten größere KM-Mengen dar, da aufgrund der osmotischen Wirksamkeit des KM eine Volumenüberladung droht.

Dr. Manfred Gogol, Coppenbrügge, gab Hinweise aus der DGG: So sollte bei der Behandlung des Diabetes mellitus bei Patienten, die älter als 75 Jahre sind, die Zielgröße HbA1c am funktionellen Zustand des Patienten ausgerichtet werden. Empfohlen werde auch, ältere Patienten während ihres Krankenhausaufenthalts früh zu mobilisieren. Eine Stuhlmobilisation reiche nicht. Grund für die Empfehlung ist die Inaktivitätsatrophie: Ältere (60+) verlieren zehn Prozent an Muskelmasse in den Beinen – bei nur zehn Tagen im Bett.

Prof. Dr. Herbert H. Koop erläuterte Empfehlungen der DGVS. So rät diese, bei gastroduodenalen Ulkusblutungen bei vertretbarem Risiko bereits bei der Notfallendoskopie eine bioptische Helicobacter-pylori-Diagnostik mittels Histologie durchzuführen. Die Eradikation des H.p. senke die Rezidivrate des Ulcus duodeni sive ventriculi drastisch auf ca. zwei Prozent.

PD Dr. Joachim Feldkamp aus Bielefeld stellte Empfehlungen der DGE und der DGRh vor. So sollte jede zufällig entdeckte Raumforderung der Nebenniere endokrinologisch abgeklärt werden. Eine weitere Bildgebung ist bei computertomografisch als gutartig eingestuften Inzidentalomen der Nebenniere mit einer Größe von weniger als vier Zentimetern nicht notwendig. Bei einer absehbar längerfristigen Glukokortikoidgabe (etwa bei Polymyalgia rheumatica) sollten bei jedem Patienten eine initiale Knochendichtemessung, eine Vitamin-D-Prophylaxe samt ausreichender Kalziumzufuhr, ein moderates Muskeltraining sowie ggf. eine spezielle Osteoporosetherapie durchgeführt werden.